Fundierte Auskunft über Weißgold

Technische und kaufmännische Fragen zur Herstellung von Schmuck

Fundierte Auskunft über Weißgold

Beitragvon hector123 » 08.04.10 18:51



Hallo Leute,

die Auswahl unserer Trauringe gestaltet sich zunehmend schwieriger, dabei sind wir uns über die Form völlig einig.
Breite 7mm; Höhe 2,7mm; Profil: außen und innen symmetrisch bombiert, also liegende "Null" bzw. Breuning-Profil-Nr. 03; Weiten: 52,5 und 63.
Im kleineren Ring ein Diamant eingerieben, ca. 0,12ct, tw/if. Ringoberflächen: poliert.
Wo ist da das Problem, werdet ihr sagen?

Als Material möchten wir Weißgold, wegen seiner silbrigen Farbe.
Wichtig sind uns auch Beständigkeit gegen Kratzer (so gut es geht) und Erhaltung der Farbe.
Dazu erhielten wir von sogenannten Facjverkäufern mehrfach die Aussage, dass Weißgold ohnehin nur mit Rhodium überzogenes Gelbgold sei, und sich diese Schicht sowieso nach ein paar Monaten abreiben würde. In diesem Forum haben wir, zum Glück, gegenteilige Aussagen gefunden, die uns Mut machen, unseren Ringwunsch doch noch realisieren zu können.

Und hier unsere Fragen:
1) Welche Legierung in Verbindung mit welchem Goldanteil (585/750) liefert die besten Eigenschaften hinsichtlich Oberflächenhärte und Farbe (helles Weiß)
2) Sollten wir komplett auf Rhodinierung verzichten, um Farbunregelmäßigkeiten zu vermeiden?
3) Könnt ihr uns Goldschmiede in HH benennen, bei denen man noch fachkundig und fair beraten wird?
4) Ist hier möglicherweise jemand, möglichst in HH, dabei, der unseren Wunsch fachgerecht umsetzen mag?

Danke schon mal im voraus,
Hector
hector123
 
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Re: Fundierte Auskunft über Weißgold

Beitragvon Marc Stenzel » 09.04.10 06:46



hector123 hat geschrieben:Dazu erhielten wir von sogenannten Facjverkäufern mehrfach die Aussage, dass Weißgold ohnehin nur mit Rhodium überzogenes Gelbgold sei

Das war kein Fachverkäufer, sondern ein Vollidiot.


hector123 hat geschrieben:2) Sollten wir komplett auf Rhodinierung verzichten, um Farbunregelmäßigkeiten zu vermeiden??

Eine Rhodinierung hat auf einem Ehering absolut nichts zu suchen. Das ist Pfusch.


hector123 hat geschrieben:1) Welche Legierung in Verbindung mit welchem Goldanteil (585/750) liefert die besten Eigenschaften hinsichtlich Oberflächenhärte und Farbe (helles Weiß)

Siehe Schmucklexikon:

Siehe auch z.B. die Diskussion: Trauringe

Es gibt nicht DIE eine optimale Weißgoldlegierung, genauso wenig wie es DIE eine optimale Holzart für Möbel gibt, sondern die Entscheidung ist auch weitgehend Geschmackssache, zum Beispiel Vorlieben für kälteres oder wärmeres Weiß. Wesentlich ist, dass Weißgold - genauso wie Gelbgold - durch das Tragen seine Oberfläche verändert. Es entstehen Dellen, Riefen und die Politur verändert sich ungleichmäßig - ganz egal wie hart das Weißgold ist. Auch können Goldlegierungen durch umweltbedingte An- und Abreicherungen ihre oberflächliche Farbe leicht verändern. Nach einigen Monaten / Jahren sieht der Ring also garantiert nicht mehr so aus wie im Neuzustand, im Laden oder im Katalog. Die einzig realistische Möglichkeit, abzuschätzen ob einem der Ring gealtert gefällt, besteht darin, dass man sich solch einen Ring (also aus genau dieser Legierung und mit gleichen Herstellungsverfahren) ansieht, wenn er mal längere Zeit getragen wurde. Dazu hat man bei Goldschmieden bisweilen die Möglichkeit, bei Schmuckdiscountern oder Juwelieren jedoch fast nie.
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Re: Fundierte Auskunft über Weißgold

Beitragvon Tilo » 09.04.10 20:00



ganz ohne ironie: schön, daß mal wieder jemand einfach nur nach den materialeigenschaften fragt, ohne jetzt gleichzeitg den günstigstmöglichen preis haben möchte

breuning ist ein guter hersteller
das weißgold ist mit palladium mit all seinen vor-und nachteilen: es wird seine farbe behalten

aber die farbe ist, typisch auch fürs beste weißgold, grau! auf keinen fall silbrig, sondern eher wie edelstahl und titan

schöner ist palladium 950
oder platin 950(ist aber nur teurer, sonst nicht besser)

und jetzt die abnutzung: alle genannten nutzen sich ab, oberflächen verändern sich! auch Platin950

willst du das max. mögliche weiß mit max. möglicher beanspruchbarkeit: nimm platin800 mit 200 iridium, gibts aber nur bei sehr gut ausgestatteten goldschmieden wie z.b. http://www.wehpke.de (nicht verwandt/verschwägert)

könnte aber doppelt so teuer werden

ich würde palladium 950 empfehlen, sollte bei breuning auch im sortiment sein
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Re: Fundierte Auskunft über Weißgold

Beitragvon Tilo » 10.04.10 07:07



und wenn du denkst, ich habe einen widerspruch, indem ich schreibe, das breuningweißgold behält die farbe, sieht aber deutlich grauer aus als silber, weil du im laden selbst das trahlende weiß der modelle gesehn hast:
die modelle im laden sind meist rhodinierte messingringe, und rhodium ist nun mal heller als weißgold und wird deshalb oft zum bemalen nicht nur der vorzeigemessingtrauringe, sondern auch des weißgoldes benutzt (nicht bei den angesprochenen trauringen, die in echt dann recht grau ausgeliefert werden)
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Re: Fundierte Auskunft über Weißgold

Beitragvon Marc Stenzel » 10.04.10 07:45



Tilo hat geschrieben:aber die farbe ist, typisch auch fürs beste weißgold, grau! auf keinen fall silbrig, sondern eher wie edelstahl und titan

Ich muss dir da widersprechen. Es gibt selbstverständlich exzellentes hochweißes Weißgold ohne Wenn und Aber!


Diese ganze Debatte ist aber völlig unnötig, wenn Verbraucher mehr ihren Augen als Marketinggefasel vertrauen. Daher hier noch einmal der Rat an alle Ratsuchenden: Schaut euch nicht neue, sondern getragene Ringe an! Wenn die euch gefallen, ist alles in Ordnung - und wenn nicht, dann lasst die Finger davon. Ein besseres Kriterium kann es gar nicht geben.

Und ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Verbraucher von diesem Rat Gebrauch machen. Dann könnten sich nämlich Hersteller ihre halbseidenen Schönungstechniken in den Sonstwo schieben, und wirkliche Qualität könnte sich stärker durchsetzen. Und Goldschmiede, die sich dieser Strategie anschließen und sie mit Rat und Tat unterstützen, bekämen ein sehr ehrliches Qualitätskriterium und zusätzliches Verkaufsargument an die Hand. dem die Schmuckindustrie, ganz besonders der Billigmarkt, schwerlich etwas entgegen setzen könnte.
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